Am 12. Januar verlassen wir beseelt den 10-tägigen Vipassana-Kurs. Während diesen schweigsamen Tagen wird mir klar, dass mein Verlangen alleine zu reisen immer größer wird und ich nach dem Kurs so schnell wie möglich nach Goa möchte, um das Bundesland solo zu erkunden.
Ich möchte für eine Zeit nicht mehr „Bea und Daniel“ sein, sondern einfach mal schauen was passiert, wenn ich auf mich gestellt bin. Und wie es das Universum will fährt Siddharth, ein Teilnehmer des Kurses, tatsächlich nach Goa und bietet an uns mitzunehmen! Sobald wir wieder Sprechen dürfen, eröffne ich Daniel meine Idee und er kann sich schnell damit anfreunden. Noch gemeinsam machen wir uns also auf den Weg und verbringen für 330 km 8 Stunden im Auto. Definitiv unsere längste Mitfahrgelenheit aber die Zeit vergeht schnell, da Siddharth ein beeindruckender Gesprächspartner ist und wir uns über unsere Gedanken zum Vipassana-Kurs austauschen können. Vielen vielen Dank für die tolle Zeit!

Daniel und ich landen in Querim, dem nördlichsten Zipfel Goas, an einem wunderbaren Strand an dem wir sogar mit gutem Gefühl unser Zelt aufbauen.

3 Tage verbringen wir noch gemeinsam bevor sich unsere Wege trennen. Ich habe mir erstmal für ein paar Tage eine Unterkunft in Querim genommen, Daniel zieht weiter in den Süden.
Doch schon eine Woche später landen wir zufällig im gleichen Ort im südlichen Goa und verabreden uns auf ein Dinner-Date!

Meine Zeit alleine ist ruhig. Ich wünsche mir manchmal Gesellschaft, will aber auch nichts erzwingen. Will Leute kennenlernen, aber bitte auch „die Richtigen“. Man kann eben nichts erzwingen und irgendetwas erwarten, das wird mir wieder klar. „Perfect Equanimity“ und „Anicca“ haben wir im Vipassanakurs gelernt. Gelassenheit, Dinge annehmen wie sie sind, nicht bewerten und sich in Erinnerung rufen, dass nichts beständig ist.
In dem kleinen Dorf Gokarna im Bundesstaat Karnataka finde ich eine ganz wunderbare Unterkunft. Ein Hostel unter Kokospalmen mit Hängematten, gechillter Atmosphäre und 3 Minuten Fußweg zum Strand. Auch Daniel bewegt sich weiter südlich und kommt in Gokarna vorbei. Spontan verbringen wir doch noch einmal 5 Tage gemeinsam und genießen die Gesellschaft des Anderen in vollen Zügen.

Dieses Mal ist der Abschied für uns beide dann doch traurig denn jetzt wissen wir definitiv, dass wir uns für eine ganze Weile nicht sehen und unser nächstes Wiedersehen auch nicht in Indien, sondern im nächsten Land sein wird.
Schon seit gut 2 Jahren habe ich die Idee eine Ausbildung zur Yogalehrerin zu machen. Und wo bietet sich das besser an als in Indien!
Im letzten Blog hab ich euch von dem tollen Campingplatz berichtet, auf dem wir zum Jahresende gelandet sind (siehe Blog 034). Dort lernen wir Namrata kennen, eine Psychologin, mit der wir uns sehr gut unterhalten. Sie erzählt von einer Yogaschule in Goa, die mich direkt anspricht.

Ich sehe mir kurz die Webseite an und weiß intuitiv, dass das der richtige Ort für mich ist. Noch vor dem Vipassana-Kurs melde ich mich für ein 26-tägiges Training ab 01. Februar an. Daniels Visum läuft schon am 28. Februar aus, er muss sich also definitiv schon früher auf den Weg machen um die knapp 2500 Kilometer ins nächste Land zurückzulegen. Mein Visum wurde 10 Tage später ausgestellt und ist deshalb länger gültig.
Und so mache ich mich am letzten Tag des Januars auf zum Yoga Institute Goa und bin für 26 Tage ein „Sādhaka“, eine Person, die sich bewusst der yogischen Praxis und dem spirituellen Weg widmet. Die Hauptstelle des Yoga Institutes in Mumbai wurde 1918 gegründet und ist die älteste offizielle Yogaschule der Welt. Gelehrt wird hier sehr traditionelles Yoga, genau das was ich suche. Ich wollte keine Schule, die hauptsächlich mit schicken Posen von westlichen Touristen wirbt, da fühlte ich mich irgendwie nicht richtig aufgehoben.
Vom ersten Moment an als ich die Anlage betrete bin ich begeistert. Sie liegt auf Chorão, einer Halbinsel, auf der die Mühlen langsam malen. Für mich ist das hier purer Luxus, alles ist so liebevoll gemacht und wir sind umgeben von Natur. Ich habe mir einen eigenen kleinen Bungalow gegönnt, der für mich absolutes 5 Sterne Niveau hat.

13 Menschen sind wir in der Gruppe, Alter und Herkunft bunt gemischt. Ich fühle mich im Rahmen der Gruppe direkt wohl. Viel Zeit zum Austausch bleibt uns nicht, wir haben von 6 bis 18 Uhr Programm, frei ist nur Sonntags. 200 Stunden und eine praktische und theoretische Prüfung muss man absolvieren, um am Ende ein Zertifikat zu bekommen. Es ist natürlich kein reines Vergnügen und sowohl Kopf als auch Körper werden ultimativ gefordert. Das Schöne ist, dass ich da nicht alleine durch muss, die Gruppe gibt sich untereinander wahnsinnig viel Unterstützung. Jeder hat seine eigene Geschichte, seinen eigenen Charakter doch wir schaffen es spielend, uns alle so zu akzeptieren wie wir sind.

Ich wollte diesen Kurs machen, weil ich zwar seit einigen Jahren Yoga praktiziere, aber eigentlich nichts darüber weiß. Ich wollte verstehen, was Yoga eigentlich ist, also die Philosophie, die hinter den hübschen Übungen steht. Und ich wollte die Bewegungen nochmal von der Pike auf lernen. Neben 4 Stunden Praxis am Tag lernen wir viel Theorie.
Yoga ist tatsächlich eine ganze Philosophie, eine Art sein Leben zu leben. Die Übungen, Asanas, sind nur ein Teil.
„Yoga“ bedeutet „stoppage of fluctuation of mind“ oder auch ganz einfach „Konzentration“. Also ein Zustand, den man erreichen möchte. Dabei helfen einem verschiedene Dinge z.B. gewissen Verhaltensweisen zu folgen (zufrieden sein mit dem sein was man hat, einen reinen Geist und Körper, Gleichmut, Selbststudium und Vetrauen in das Göttliche. Damit ist nichts religiöses gemeint sondern es bedeutet im Grunde, die Dinge anzunehmen wie sie sind) und andere zu unterlassen (keine Gewalt und Gier, keine Lügen, Enthaltsamkeit). Viele Dinge die ich hier lerne haben Überschneidungen mit Vipassana und ergänzen sich hervorragend.
Eine weitere wichtige Rolle spielt die Kontrolle über den Atem, deshalb lernen wir auch verschiedene Atemtechniken. Die Atmung ist auch bei der Ausführung der Übungen und schließlich bei der Meditation wichtig.

Die Asanas, die einzelnen Übungen, dienen im klassischen Yogasinne dazu, den Körper dazu zu bringen, längere Zeit in einer Meditationspose verweilen zu können und helfen einem, sich zu konzentrieren.

Um den Körper und Geist rein zu halten, praktizieren wir auch täglich „Kryas“, z.B. Nasenspülungen oder Atemreinigung.
Außerdem bekommen wir auch reichlich Übung im Unterrichten und Grundkenntnisse zu Anatomie vermittelt.
4 Mal täglich bekommen wir sattvisches Essen, wer sich schon einmal mit Ayurveda beschäftigt hat, dem wird das bekannt vorkommen. Das bedeutet unter anderem nur frisch zubereitete Speisen, vegetarisch, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, keine Zwiebeln, Knoblauch oder Chillie, nichts frittiertes.

Für mich also eine völlig neue Sichtweise auf Yoga! Der Kurs geht dementsprechend weit über einen reinen Bewegungskurs hinaus, es ist quasi eine Kur für Körper und Geist.
Ich bin wahnsinnig dankbar für die Erfahrungen im Kurs und die Menschen, dessen Wege sich mit meinem dort gekreuzt haben. Eine ganz besondere Zeit, die sehr wertvoll für mich ist.

Natürlich ist es utopisch, dass man nach 26 Tagen ein fertiger Yogalehrer ist. Es gilt jetzt für mich eine Regelmäßigkeit, trotz des Reisens, zu finden und so oft wie möglich die Gelegenheit ergreifen um zu unterrichten. Ich würde gerne bald einen Vertiefungskurs, 300 Stunden, machen aber jetzt freue ich mich erstmal darauf Daniel wiederzusehen und zusammen die nächsten Abenteuer zu bestreiten.
Die Zeit alleine, 6 Wochen, war für mich sehr wichtig. Es hat mir richtig gut getan, nach so langer Zeit wieder auf mich gestellt zu sein und die Gewissheit zu haben, dass ich es auch alleine kann. Umso schöner, wenn man dann „trotzdem“ entscheidet, zusammen zu reisen. Und um Daniel müsst ihr euch keine Sorgen machen, ihm hat die Zeit genauso gut getan. Was er in seiner Solozeit erlebt hat, bekommt ihr natürlich in den nächsten Indienvideos zu sehen!
Jeder von uns hat seinen Weg ins nächste Land alleine bestritten. Und das ist, Trommelwirbel… Nepal! Dort haben wir uns wieder getroffen und starten jetzt wieder gemeinsam durch.
Liebe Bea 💖 das liest sich sehr schön, und ich freue mich nochmals für Dich, dass Du diese Zeit für Dich hattest! 🍀👍😘
Dankeschön 🤗
Ich finde es so schön das eure Entscheidung getrennt zu reisen für beide eine positive Erfahrung war.
Nun eine schöne Zeit in Nepal zu zweit
❤️
Liebe Bea, das liest sich so stimmig…..alles fließt…….schön, dass Du diese Erfahrung machen konntest. Danke, dass ich von Dir noch mal neu und anders Vertrauen lernen darf.
Herzliche Grüße auch an Daniel
Theresa
Vielen Dank für das liebe Feedback ❤️
Toll wie Du dich entwickelst und entfaltest auf eurer Reise. Das ICH ist trotz einem WIR immer wichtig. Auf sich selbst hören, dann kann nix schief gehen.
Grüße aus den Bergen Tirols
Ramona
Genau so liebe Ramona ❤️
Ich bin sehr stolz auf Dich und danke Dir, dass ich jetzt zusammen mit Dir Yoga richtig lernen darf. Dein bester Yogi-Schüler 😘
Hihi, ja du bist wirklich mein bester Schüler ❤️. Danke, dass du mich motivierst!
Vielen Dank liebe Bea fürs Teilen deiner spannenden Erfahrungen.
Beim nächsten Treffen hast du zwei weitere Schülerinnen 😉
Da freue ich mich sehr darauf 🤗!